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Preisverleihung

Laudatio Dr. Marion Gierden-Jülich, Staatssekretätin im Ministerium für Generationen (MGFFI)

Dr. Marion Gierden-Jülich - Bild Jörg Lange

Dr. Marion Gierden-Jülich

"Ich freue mich, dass ich heute die Laudatio anlässlich der Verleihung des Initiativenpreises des Paritätischen Jugendwerks halten darf. Doch zuvor überbringe ich Ihnen herzliche Grüße und allen Preisträgern Glückwünsche von Herrn Minister Laschet. Er ist heute leider verhindert und hat mich gebeten ihn zu vertreten. Das tue ich gern."

"Meine Damen und Herren,
der Initiativenpreis wird heute bereits zum sechsten Mal verliehen. Er ist damit zu einer festen Tradition in Nordrhein-Westfalen geworden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat der heutigen Preisverleihung hier in der Wuppertaler Stadthalle einen eindrucksvollen Rahmen gegeben. Hier zeigt sich, glaube ich, auch die hohe Wertschätzung, die der Paritätische seinem Jugendwerk und den in ihm zusammenge-schlossenen Initiativen entgegenbringt.
Dieser Wertschätzung schließe ich mich gerne an. Die Auslobung eines Preises - noch dazu in einem so bunten, vielfältigen und kreativen Bereich wie dem der Initiativen bereitet sicher viel Freude, bedeutet aber auch viel Arbeit. Arbeit, die sicher häufig das übliche Maß übersteigt. Für dieses Engagement möchte ich heute allen Verantwortlichen des Paritätischen Jugendwerks ganz herzlich danken. Ohne Sie würde es den Preis nicht geben.
Dabei ist es Ihnen immer wieder gelungen, spannende, aktuelle und mitunter auch kritische Themen mit dem Wettbewerb zu verbinden. Häufig waren Sie der aktuellen politischen Diskussionen voraus, und haben sogar erst den Anstoß gegeben, sich mit neuen gesellschaftlichen Fragen auseinander zu setzen.
Dies gilt in ganz besonderer Weise auch für Ihr diesjähriges Wettbewerbsthema: 'Gegen die Wand'. Das ist Aufforderung und Mahnung zugleich. Aufforderung, für die Integration aller hier lebenden Menschen aktiv einzutreten und zugleich anzuerkennen, dass mit Zuwanderung und Integration erhebliche Chancen für unsere Gesellschaft verbunden sind. Chancen, die nicht von selbst realisiert werden, sondern um die Nutzung wir uns nachhaltig bemühen müssen. 'Gegen die Wand' zitiert den international erfolgreichen Film des aus der Türkei stammenden deutschen Regisseurs Fatih Akin. Dieser Film zählt zu den ganz wenigen international erfolgreichen deutschen Filmproduktionen der letzten Jahre. Und 'Gegen die Wand' steht auch dafür, dass das Ansehen der deutschen Kultur im Ausland durchaus von der Vielfalt unserer Bevölkerung profitiert. Das Wettbewerbsthema 'Gegen die Wand' ist aber auch Mahnung, dass bei uns nach wie vor Menschen mit Migrationshintergrund zu viele Hürden nehmen müssen. Sie besitzen nicht die gleichen Chancen, obwohl sie formal gleichberechtigt sind. Sie müssen im wahrsten Sinn des Wortes noch viel zu häufig gegen Wände anrennen, die aus Ignoranz, Misstrauen und Intoleranz bestehen.
Dies ist für sich genommen schon schlimm genug. Wenn es sich dann aber noch um Kinder und Jugendliche handelt, müssen wir aktiv werden. Denn wir nehmen ihnen sonst ihre Zukunftschancen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, wissen wir.
Gerade Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationshin-tergrund sind heute von einer positiven Integration vielfach weit ent-fernt. Wenn wir nach den Pisa-Studien von einem Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung ausgehen müs-sen, so trifft dies besonders für Kinder aus nichtdeutschen Familien besonders zu. Das hat erhebliche Folgen für ihre soziale Integration und ihre gesellschaftlichen Teilhabechancen.
Deshalb bin ich dem Paritätischen Jugendwerk auch sehr dankbar, dass mit dem diesjährigen Wettbewerb Initiativen ausgezeichnet werden, die sich den Herausforderungen des interkulturellen Dialogs stellen. Sie greifen damit ein Thema auf, dass zu den Schwerpunkten der Politik der Landesregierung gehört.
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat dies in seiner Regierungserklärung besonders betont, als er gesagt hat: 'Der Zusammenhalt der Generationen und das Gelingen der Integration sind für die Zukunft unse-rer Gesellschaft entscheidend.'
Und auch ich bin davon überzeugt: Wir brauchen neue Konzepte, damit Integration bei uns gelingt. Schon heute leben rund vier Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen,

Diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren, ist eine Mammutaufgabe. Wie ernst die neue Landesregierung diese Aufgabe nimmt, zeigt die Einrichtung des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration.
Wir haben als erstes Bundesland ein Ministerium, das den Begriff 'Integration' im Titel führt. Gleichzeitig haben wir dieses Politikfeld mit Bereichen zusammen geführt, die aus meiner Sicht ebenfalls wichtige Integrationsaufgaben haben.
So wollen wir In der Kinder- und Jugendpolitik dafür sorgen, dass die Kinder aus Zuwandererfamilien bessere Bildungschancen bekommen. Mit der Sprachförderung im Kindergarten wollen wir erreichen, dass alle Kinder bei der Einschulung Deutsch verstehen und sprechen können.
Und durch die Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren wollen wir die Erziehungsberatung und andere Unterstützungsangebote näher an Familien mit Migrationshintergrund bringen.
Dies allein reicht aber nicht aus. Erfolg werden wir nur dann haben, wenn wir Migrantinnen und Migranten nicht als Objekte unserer Politik sehen. Wir müssen sie vielmehr in diesen Prozess einbinden, ihre Selbstorganisation stärken und die Integration gemeinsam mit ihnen gestalten.
Die Landesregierung ist dabei auf einem guten Weg. Seit Jahren wird die soziale, außerschulische und kulturelle Mitwirkung von Migrantenselbstorganisationen in der Gesellschaft gezielt gefördert. Viele dieser von uns unterstützten Migrantenselbstorganisationen sind Mitgliedsorganisationen des Paritätischen. Deshalb fördert das Land auch beim Paritätischen in Nordrhein-Westfalen seit 2000 die Fachberatung MigrantInnenselbsthilfe, die in dieser Zeit viel dazu beigetragen hat, das vorhandene Engagement der organisierten Migrantinnen und Migranten um das erforderliche fachliche Wissen und das organisatorische Know how zu erweitern. Nur mit der entsprechenden Unterstützung kann der dauerhafte Erfolg dieser Organisationen gewährleistet werden.

In diesem Sinne erfolgreich waren vor allem die Projekte, die heute ausgezeichnet werden.

Das Medienprojekt Wuppertal für den Videozyklus 'Identitäten, Zu-sammenleben und Partizipation zwischen den Kulturen'. Das Medien-projekt Wuppertal zeichnet sich seit Jahren durch eine höchst sensible interkulturelle Arbeit aus. Der Videozyklus markiert noch einmal einen neuen Meilenstein in der Arbeit des Medienprojektes Wuppertal. (1. Preis)
Pro Mädchen - Mädchenhaus Düsseldorf e.V. mit dem Projekt 'Leyla - Kompetenzzentrum für Mädchen'. Mädchen aus sozial schwachen Familien mit Migrationshintergrund lernen, ihre Interkulturalität als Ressource zu begreifen und zu nutzen. Das Projekt setzt bei den Stärken der Mädchen an, ein Ansatz, der bislang vielfach noch zu kurz kommt. (2. Preis)
Und schließlich Rom e.V., Köln für das Projekt 'Amaro Kher', das das Ziel verfolgt, die Lebensbedingungen und Integrationshilfen für Roma-Flüchtlingsfamilien, vor allem aber für die Kinder zu verbessern. In Amaro Kher werden Kinder und 5-14 Jahren an die Schule herangeführt, wobei auf eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern großen Wert gelegt wird.
Last but not least die Sonderpreisträger: Die IFAK Bochum, für ihr langjähriges Engagement im Bereich der interkulturellen Jugend-, Familien- und Seniorenarbeit und der Arbeitskreis Jugendzentrum Nord e.V. (Herten) als vorbildliche Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in freier Trägerschaft mit zahlreichen Angeboten für Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft.

Meine Damen und Herren,
so unterschiedlich diese Projekte auch sind, sie haben eines gemeinsam: Sie sind innovativ, zeigen neue Wege und dokumentieren eindrucksvoll, wie Integration praktisch gelebt und auf diese Weise gelingen kann.
Ich gratuliere allen Preisträgern sehr herzlich und hoffe, dass Ihre Auszeichnung zugleich Ansporn für andere ist, es Ihnen gleich zu tun.

Herzlichen Dank."

Dr. Marion Gierden-Jülich
Staatssekretärin im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen
In Initiativen lernen - durch Initiative lernen
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